Dienstag, 21. Februar 2017

Todestag

Namaste ihr Lieben,

heute vor 17 Jahren ist mein Papa gestorben. Ziemlich genau um diese Uhrzeit habe ich einen Anruf von meiner Mama erhalten. Damals war ich Azubine in einem Reisebüro in der Stadt. Sie wollte mich erwischen, bevor meine Stiefmutter mich anruft. War lieb gedacht und gut gemeint - aber die Heimfahrt per S-Bahn werde ich nie vergessen. Davor (und auch seit dem nicht mehr) war ich weinend in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Rückwirkend betrachtet ziemlich heftig, dass mich niemand angesprochen hat und sich nach mir erkundigte.

Am nächsten Tag hatte ich Berufsschule. Bin auf dem Weg dorthin immer stehen geblieben... und direkt zum Klassenleiter ins Lehrerzimmer um ihm zu erzählen was los ist und um darum zu bitten, dass ich von diversen Exen die an dem Tag anstanden rausgenommen werde. Er war so lieb und hat alle Kollegen informiert, in der Klasse hat lediglich meine Banknachbarin von mir erfahren, dass mein Papa gestorben ist.

Ich wollte weder Mitleid noch Aufsehen mit meinen süßen 17 Jahren.


In der Arbeit hat sich dann nicht viel geändert, ich war auch nicht krank geschrieben oder irgendwas. Eine Therapie habe ich nicht gemacht - da hat sich auch kein Arzt oder so erkundigt bzw. mir das angeboten.

Irgendwie war das in den 90ern alles noch a bisserl anders als heute? Vielleicht?

Na jedenfalls - was ich hier festhalten wollte:

Ich bin ja nun 34. Bedeutet: Die erste Hälfte meines Lebens mit Papa, die zweite Hälfte meines Lebens ohne Papa. 


Meine Mama hat sich von ihm scheiden lassen als ich drei war. Ich kannte ihn also nur als regelmäßigen Besucher. Und damals - sehr pubertär - war ich selbstverständlich ne Zeit lang eher genervt. Er lebte bei Landshut mit seiner Frau und der Tochter aus zweiter Ehe. Dennoch hat er uns regelmäßig in München besucht. Aber so richtig "Alltag" mit ihm kannte ich nicht.


Worüber ich sehr viel auch noch heute nachdenke - vor allem an seinem Todes- und Geburtstag:

Wer weiß was ihm, durch den frühen Tod mit gerade mal 46 Jahren - alles "erspart" geblieben ist. In meinem heutigen Glauben bin ich fest davon überzeugt, dass alles seinen Sinn hat. Absolut alles.


Daher: Am Ende wurde er vor noch schlimmerer Krankheit bewahrt (Todesursachen war ein Herzklappen-Fehler)? Oder vor psychischem Kummer? Ich weiß es nicht.

Der andere Gedanke der mich immer wieder einholt:
Vielleicht wurde mir durch den schnellen und für mich und meine Mama sehr überraschenden Tod auch eine lange Zeit des Kummers und der Sorgen erspart? Er hat uns nämlich nicht darüber informiert, dass er auf der Spenderliste für ein neues Herz stand. All das haben wir erst postum erfahren.

Auch heute fehlt er übrigens noch. Und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. 


Sei es durch seine Gitarre oder seinen Cowboy-Hut (aus Texas, von der Hochzeitsreise mit Mama), durch die Gitarrensaite in meinem Auto, weil ich ihn am Friedhof besuche, oder weil irgendwas passiert wo ich mir denke, was er wohl denken würde.

So viel zum Thema "Zeit heilt Wunden". Nein, tut sie nicht. Aber sie macht sie kleiner. Ein bisserl.

Sonnengrüße,
Claudi

Kommentare:

  1. Liebe Claudi,

    du hast recht, Alles hat seinen Sinn und seine Zeit. Fühl dich dennoch von mir gedrückt und geherzt. Ich glaube, dass alle die von uns gehen, in irgendeiner Form bei uns sind (Energie = Gedanken). Sicher ist alles auch gut so wie es ist bzw. kommen musste, auch wenn es schmerzt und man immer dran denken wird. Man vergisst wichtige Menschen nie. Aber wie du so schön zum Thema "Zeit heilt Wunden" sagst "Aber sie macht sie kleiner. Ein bisserl"

    *lieb drück*
    Yvonne

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