Freitag, 21. Oktober 2016

Ayurveda - vier Monate später

Namaste ihr Lieben,

für einen anderen Blog habe ich meine bisherige ayurvedische Reise schriftlich festgehalten. Wir haben das dann aber alles umgetextet, siehe hier :-) Ich find das ursprüngliche Ergebnis zwar lang und sehr detailliert. Aber mir gefällt der Text so gut, dass ich ihn jetzt einfach bei mir veröffentliche :-)

Mein Name ist Claudia Renner, ich wurde 1982 geboren und mit acht Jahren Vegetarierin. Zu Weihnachten 2010 habe ich „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer gelesen. Er geht so detailliert auf die Herstellung von Milch und Eiern ein, dass ich nicht mehr wegschauen konnte. An meinem ersten veganen Tag, dem 10. Januar 2011, gründete ich meinen Blog Claudi goes vegan. Mittlerweile berate ich Menschen, die ihren Alltag vegan(er) gestalten wollen. Der Yoga begeistert und begleitet mich seit 2010. Wie tief diese Lehre gehen kann, ist mir jedoch noch nicht so lange bewusst. Seit Oktober 2015 genieße ich die vierjährige BDY-Ausbildung zur Yogalehrerin. 
 
Bevor ich gleich darauf eingehe, wie ich bisher 14 Kilo abgenommen habe und die ayurvedische Lehre in meinen Alltag integriere, will ich noch erwähnen, dass ich allein lebe. Sprich: Um mich herum gibt es keinerlei Gelüste. Da knabbert niemand Chips oder kauft Schokolade ein. Da kann ich so früh aufstehen und so früh ins Bett gehen wie es mir beliebt. Mir ist bewusst, dass dies eine solche Ernährungs- und Lebensumstellung wesentlich erleichtert.

Als ich am 17. Juni 2016 von der Arbeit in den Feierabend gestartet bin war mir nicht klar, dass die dann folgende Stunde meine zweite Jahreshälfte komplett umkrempeln würde. Über unsere Ausbildungsschule habe ich im März Dr. Shine kennen gelernt. Als er wieder einmal München besuchte, ergriff ich die Chance auf eine Einzelsitzung bzw. ein Konsultationsgespräch. Ich hatte keine offenen „Baustellen“ sondern war einfach nur neugierig. 
 
Zuvor hatte ich mich seit Jahren (!) nicht mehr gewogen. Ja, das war absolutes Wegschauen und Verdrängen. Ich war im Sommer letzten Jahres bestimmt schon wesentlich leichter als noch 2014, siehe die Fotos hier. (Meine Website erstrahlt bald in neuem Glanz.) Durch die Mirena-Hormonspirale, das meinem damaligem Freund angepasste Essverhalten (ein kräftiger Mann mit 1,90 Meter!) plus Frustessen, bin ich damals förmlich auseinander gegangen wie eine Dampfnudel. Doch das hatte ich erfolgreich verdrängt, war voller Selbstliebe und positiver Gedanken als ich Dr. Shine gegenüber trat. 
 
Mit Aussagen wie „Da ist zu viel Luft in Ihrem Körper!“, „Sie sind zu rund!“, „Denken Sie an Ihr Rentenkonto – Sie können JETZT noch vorsorgen!“, holte er mich schnell, sympathisch und dennoch direkt auf den Boden der Tatsachen. Im Gespräch wurde mir bewusst, dass ich durchaus Baustellen hatte. Da war abends ein aufgeblähter Bauch. Da war oftmals ein schlechtes Gefühl nach dem Essen. Doch viele Dinge akzeptiert man irgendwann und sieht sie als „normal“ an. Leider – denn mit Selbstliebe hat das nicht viel zu tun. 
 
Noch im Gespräch mit Dr. Shine machte es ganz laut „Klick!“. Und mir war klar: Entweder ich gehe diesen Weg JETZT (warum wäre ich sonst überhaupt dort gelandet?) oder ich hab soeben 100€ zum Fenster rausgeschmissen. 
 
Kurz zusammengefasst hat er mir folgende Tipps gegeben:
  • Auf regelmäßige Schlafenszeiten achten (vor 22:00 Uhr ins Bett gehen und vor 06:00 Uhr aufstehen).
  • Den Körper gut pflegen und reinigen (beispielsweise einölen vor dem Duschen, Nasenspülung, Öl ziehen).
  • Morgens warmer Brei (bisher ein Liter grüner Smoothie).
  • Mittags eine warme Hauptmahlzeit (bisher Essen vom Vorabend bzw. meist Salat).
  • Abends nur noch Suppe (bisher Hauptmahlzeit).
Ja, der erste Einkauf nach meiner Lebensmittelliste war SEHR ungewohnt. Aber das kannte ich schon von der Umstellung vegetarisch essen auf vegan leben. Ja, die ersten Tage dachte ich mir immer wieder „Bringt es das nun wirklich?“. Ja, ich dachte auch kurz und böse an Abzocke. Ja, ich war voller Zweifel.

Doch nach einer Woche (mittlerweile hatte ich auch Kräuter und einen Saft integriert, den mir vom Ayurveda Garden zugeschickt wurde) war da nur noch ein großes: „HURRA! ES TUT SICH WAS!“. Ich war endlich beschwerdefrei.

Am 01. Juli 2016 – genau zwei Wochen nach meinem Gespräch – habe ich mich zum ersten Mal auf die Waage gestellt. Zugegebenermaßen nur weil mich eine Freundin dazu drängte. Sie hat im Frühjahr das Buch „Fettlogik überwinden“ gelesen und war total im Detox- und Abnahme- Modus. „Die Zahl ist da. Ob du sie siehst oder nicht! Jetzt trau dich und schau der Wahrheit ins Auge!“. 

Ich muss an dieser Stelle zugeben: Mich traf der Schlag! Aufgrund meiner Jeans war mir bewusst, dass bereits nach den ersten beiden Wochen schon zwei oder drei Kilos gepurzelt sein müssen. Doch ich war noch immer übergewichtig. Und zwar so richtig! Der BMI-Rechner machte es deutlich.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich über meine Entscheidung, Dr. Shine im Einzelgespräch zu treffen, mehr als dankbar. Nun war ich ja schon im Fluss und hochmotiviert! Also habe ich mir ein Exemplar von „Fettlogik überwinden“ gekauft um meinen ayurvedischen Schwung zu nutzen und gleich noch was über das Thema Abnehmen zu lernen. Erneut war ich geschockt. Die Autorin Dr. Nadja Hermann wirft alle meine Vorurteile über Bord! Schlechter Stoffwechsel, Hormone, Schilddrüse, Vererbung, … Papperlapapp! 
 
Mir wurde etwas bewusst, was uns das Yogasutra lehrt: Ausweichen bringt nichts! Lieber genieße ich meinen „Lernplatz“ und schaue mit offenen Augen hin. Ich sehe meinen „Detox“ nicht als Muss sondern als Kann. „kaivalya“ ich möchte gerne frei werden. Vor allem von alten Mustern und negativen Diät-Erfahrungen. So schrieb ich einen Brief an mein „altes Diät-Ich“ und verabschiedete mich davon.

Mit einer guten Portion „tapas“ (Disziplin, Leidenschaft, Begeisterung) habe ich mir ein Ziel für 2016 gesetzt. Seit dem steige ich täglich auf die Waage und betrachte die Zahl mit „ahiṃsā“ (Gewaltlosigkeit) gegenüber mir selbst. Ja sie geht auch mal hoch aber ja, sie geht auch wieder runter. Ich sehe mich im Spiegel voller „svādhyāya“ (Selbststudium, das eigene Denken und Handeln beobachten, reflektieren und hinterfragen).

Ich nehme mich jeden Tag aufs Neue so an, wie ich bin. Dennoch freue ich mich über jedes Kilo das purzelt. :-)

Zum ersten Mal in meinem Leben genieße ich wie sehr ich auf meinen Körper höre und ihm durchaus nachgebe bzw. zu nichts zwinge. Ja, ich genieße (!) das Abnehmen. Es ist okay, wenn ich mal eine oder zwei Wochen nicht abnehme, sondern mein Gewicht einfach nur halte. Auch dafür bin ich dankbar, denn das wäre noch vor zwei Jahren unvorstellbar gewesen. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass ich am Abend eine heiße Schokolade getrunken habe (Tipp: Hälfte Wasser, Hälfte Haferdrink, Kakao, Rosenblüten, Salz, Ahornsirup, Vanille, Zimt) oder zum Frühstück einen Vanillepudding wollte. Aber dann ist das halt so. Punkt. 
 
Außerdem ist es ein ganz anderes, viel besseres, Gefühl als früher mit Diäten wie Weight Watchers oder Metabolic Balance. In beiden Fällen war ich mir damals nicht sicher wie und ob ich später das erreichte Gewicht auch halten könnte. Und ich fühlte mich allein gelassen.

Doch jetzt ist da das große Ganze, diese jahrtausend alte Lehre. Dazu ein toller Arzt und meine Yogafamily in der Ausbildung. Plus drei Freundinnen, die den Weg des „Abspeckens“ mit mir gehen. Das alles stärkt und kräftigt sehr. Die „Regeln“ sind einfach: Brei, Hauptmahlzeit, Suppe. Keine Zwischenmahlzeit oder Nascherei. Selten komme ich kalorienteschnisch betrachtet über die Zahl, die eine weitere gute Abnahme verhindern würde. 
 
Spannend war die zwischenzeitliche Feststellung, wie klebrig und süß ein Stück veganer Kuchen plötzlich ist. Aber kein Wunder nach vier Monaten Ernährungsumstellung. Dennoch bin ich gespannt auf die Vorweihnachtszeit, in der einige Abendessen und eine Reise nach Berlin (das vegane Mekka) anstehen. 
 
Zusammenfassend kann ich sagen: Die Umstellung auf eine Ernährung nach ayurvedischen Ideen macht Arbeit, Mühe und fordert Geduld. Belohnt wird man allerdings mit einem sehr guten Gefühl (upāsanā). Und das ist für mich Ansporn genug.
 
Mittlerweile habe ich, wie bereits erwähnt, 14 Kilo abgenommen. Erst ein paar Wochen bin ich nicht mehr übergewichtig. Liebend gerne will ich noch 2016 das mittlere Normalgewicht erreichen und dieses dann vor allem Halten. 
 
Ich habe den großen Wunsch, die Hoffnung und den Glauben daran, dass das in Zusammenarbeit mit Meditation, Yoga und Ayurveda (oder anders gesagt: Geist, Herz und Körper) klappt.

Wer meine Reise weiter verfolgen möchte, den lade ich herzlich hier auf meinen Yoga-Blog dazu ein.

Sonnengrüße,
Claudi

Kommentare:

  1. Hallo Claudi,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich bin noch Neuling in Sachen Ayurveda und finde es total spannend, was du berichtest!
    Besonders interessant für mich ist, dass du schreibst, dass du abends keine Probleme mehr mit aufgeblähtem Bauch hast. Ich kenne dieses Problem leider auch und habe bisher keine Erklärung dafür gefunden. Ich bin generell eher sehr schlank und kann es mir nicht erklären, warum ich manchmal abends aussehe wie im 5. Monat schwanger.. War das bei dir vor der Umstellung auch so? Und wie erklärst du es dir, dass es jetzt nicht mehr ist? Welche Lebensmittel lässt du jetzt weg (an denen es liegen könnte?) Oder wie erklärst du dir das?
    Kannst du einen Beratung bei dem Arzt empfehlen, auch wenn man bzgl. Ayurveda noch nicht so gut im Thema ist? Ich habe mir die Website von dem Zentrum angesehen und gelesen, dass Termine für Einzelberatungen angeboten werden.
    Ich danke dir herzlich, dass du uns an deinem Weg teilhaben lässt. Ich verfolge das mit großem Interessen, auch die Bilder von deinen ayurvedischen Mahlzeiten waren sehr interessant. Mach bitte weiter so und alles Gute für dich!
    Leonie

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    1. Liebe Leonie,

      vielen Dank für deinen süßen Kommentar. Ich freu mich sehr, dass mein Bericht gelesen wird <3

      Ja genauso war das bei mir. Teilweise aber eher zehnter Monat ;-)
      Ich hab halt nun am Abend keine Massen mehr zu verdauen, sondern nur noch die warme Suppe. Kann mir nicht vorstellen, dass es an den Lebensmitteln liegt. Ich hab mich früher ab und an mit Brokkli gequält. Aber das Schwanger-Gefühl war immer da.

      In München war eine Freundin hier: http://www.ayurveda-institut-muenchen.de/

      Danke Danke Danke für deine lieben Worte und Wünsche.
      Wenn ich dir irgendwie behilflich sein kann, meld dich gerne. Auch per E-Mail.

      Sonnengrüße von Herzen und alles Liebe für dich,
      Claudi

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    2. Danke für die schnelle Antwort! Da werde ich wirklich nochmal drüber nachdenken, wenngleich das essenstechnisch schon eine arge Umstellung wäre.. (Nur das mit dem Brei morgens wäre kein Problem, komischerweise mag ich neuerdings tatsächlich morgens gern was Warmes:-)..)

      Ich habe noch 2 Fragen:
      - Ölziehen: ich habe das auch mal eine Weile, ca. 2 Monate gemacht, es jetzt aber wieder aufgegeben. Ich kann einfach keinen Effekt sehen. Merkst du da einen Unterschied? Oder ist das so direkt nicht erkennbar? Ich habe es übrigens mit Kokosöl gemacht, da du so davon geschwärmt hast:-)
      - Du hast geschrieben, dass du dich VOR dem Duschen einölen sollst. Warum vorher? Und dann hinterher nicht mehr eincremen?
      Ich danke dir herzlich für den Erfahrungsaustausch!
      Alles Liebe
      Leonie

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    3. Liebe Leonie,

      und hier zwei Antworten :)
      * Ölziehen: Meine Zunge ist weniger belegt. Und ich hab ein besseres Gefühl im Mund.

      Hier meine Reihenfolge:
      1.) Zunge scharben
      2.) Öl ziehen
      3.) Zunge scharben
      4.) Zähne putzen/ wie sonst reinigen

      * Das Öl zieht (je nachdem welches und wie gut einmassiert) bis zu den Knochen durch und holt die Schlacken hervor. Diese werden dann mit dem Wasser abgespült. Nebeneffekt: Haut wie ein Babypopo <3 - ohne eincremen ;-)

      Pack mal "ayurveda einölen schlacken" in eine Suchmaschine deiner Wahl.

      Sonnengrüße,
      Claudi

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